Kalligrafie
Bestellformular >> 
Mit dem Bestellformular können Sie unsere Broschüren bequem online bestellen.


Projekte

Kalligrafie für Grundschulkinder

Kalligrafie im Zeitalter von SMS – ein Widerspruch oder eine Notwendigkeit?
Schreiben ist mehr als das Versenden von sms. Die Liebe zur Schrift  und die Freude an fantasievoller Gestaltung lässt sich schon Grundschulkindern vermitteln. Welche Wege hierzu beschritten werden können und welcher materielle Aufwand nötig ist, wird im Folgenden gezeigt.
Schreiben ist attraktiver als die Arbeit am Computer
Im Schuljahr 2005/06 richteten wir in unserer Schule eine Lese-Schreibwerkstatt ein. Unser Ziel war die Förderung des Lesens und Schreibens, bei gleichzeitiger Einführung in die Arbeit mit Computern. Der Computerraum war mit acht Arbeitsplätzen ausgestattet. Deshalb mussten wir für die anderen Kinder der Klasse Aufgaben finden, für die Zeit, in der sie nicht die Computer nutzen konnten.
Anfangs war der Umgang mit den elektronischen Medien für die Kinder sehr interessant. Ließ man ihnen allerdings die Wahl zwischen den drei Aktivitätsfeldern:
  • Lesen in der Leseecke, ausgestattet mit Sofas, Kissen und ansprechenden kurzen Lesestücken,
  • Schreiben in der Schreibwerkstatt mit Schreibwerkzeugen unterschiedlichster Art oder
  • Arbeit am Computer,
so erwies sich die Schreibwerkstatt bald als Favorit. Dies war insofern erstaunlich, als dass die Tätigkeit des Schreibens im Alltag eines Grundschulkindes zu den normalen, manchmal jedoch lästigen Aufgaben gehört und auf viele Kinder keinen besonderen Reiz ausübt.
Offenbar lag in der ungewohnten Herangehensweise eine Anziehungskraft, die auch von den unbekannten Schreibutensilien verstärkt wurde.
Womit kann man schreiben?
Gänsefedern und Schiefergriffel hatten die Kinder schon gesehen, aber noch nicht mit ihnen geschrieben. Kohle kannten sie nur vom Grillen.  Dass man allerdings schon in der Steinzeit mit ihr wunderbare Malereien an Höhlenwänden verewigt hatte, faszinierte sie.
Selbst die aus bis zu 17 Einzelstrichen bestehenden chinesischen Schriftzeichen waren ihnen nicht zu kompliziert. Nein, sie wollten alle vorhandenen Beispiele kennen lernen und übertrugen sie akribisch in eine Tabelle. Das für jeden schönste Zeichen wurde dann ausgewählt und mit einem Tuschepinsel gemalt.
Besondere Freude hatten sie an den Glasfedern aus Murano. Mit ihnen schrieben wir Briefe und verwendeten die Buchstaben eines französischen Alphabets der Renaissance. Es entspricht weitgehend unseren lateinischen Buchstaben, nur die Majuskeln sind sehr verziert und geben der Schrift ihren kostbaren Anstrich.
Kreativität ersetzt materiellen Aufwand
Aus einer Sammlung ungewöhnlicher Alphabete konnten die Kinder viele Anregungen für eigene Gestaltungen aufnehmen. Hierbei zeigten sie sich unermüdlich auch sehr differenzierte Beispiele abzumalen oder in einer eigenen Entsprechung zu gestalten.
Ein Höhepunkt dieser Arbeit war die Anfertigung eines Geburtstags- oder Liebesbriefchens, das mit einer Kordel verschlossen wurde, und auch ein Siegel aus Siegellack bekam. Diese exquisite Behandlung eines Briefes erfreute die Kinder sehr, die jetzt spürten, dass in diesem Aufwand eine ganz besondere Wertschätzung gegenüber dem Adressaten zum Ausdruck kam. Sie konnten etwas Außergewöhnliches herstellen, dessen materieller Wert eher gering war. Das war für einige Kinder eine ganz neue Erfahrung, hing doch bislang häufig der finanzielle Einsatz direkt mit der Achtung vor dem Geschenk zusammen.
Förderung der Toleranz
Schrift, als Form der festgelegten Kommunikation in ihren vielfältigen Ausprägungen, lässt sich in der Grundschularbeit nur in Ansätzen vermitteln. Ähnlich wie im frühen Fremdsprachenunterricht geht es hier um die Erzeugung einer positiven Einstellung zu einem Lernfeld und nicht um die Könnerschaft im eigentlichen Sinne. Schüler dieser Altersstufe sollen erkennen, dass ihre Schrift nur eine von vielen ist, und frühere Zeiten und andere Kulturen vielfältige Formen der Schriftzeichen hervorgebracht haben. Die Beschäftigung mit dem Andersartigen fördert auch die Toleranz  Fremdem  gegenüber, was allgemein betrachtet, ein hoher Wert ist.
Entwicklung von Qualitätsempfinden
Schreiben ist ein komplexer Bereich, dem man nicht gerecht wird, wenn er darauf reduziert wird, sms mit verstümmelten Wörtern zu versenden. Indem wir die Aufmerksamkeit gerade auf das andere Extrem richten, die Gestaltung eines einzelnen Buchstabens, oder die Wahl eines speziellen Papiers, wecken wir bei den Kindern die Freude über das schöne Ergebnis und die Erkenntnis, dass Schreiben etwas ganz Besonderes ist, das sich nicht auf den Mitteilungseffekt allein begrenzen lässt, sondern verschiedene Ebenen aufweist.
Kinder entwickeln ein Empfinden für Qualität, wenn sie die Eigenschaften z. B. der verschiedenen Papiere unterscheiden lernen und selber feststellen, was geeignet ist und was nicht und auch die Gründe hierfür benennen können. So merken sie sehr schnell, das normales Schreibpapier für das Schreiben mit altertümlichen Federn ungeeignet ist, weil die Federn hart und sehr spitz sind, die Papieroberfläche eher saugfähig und faserig ist, und die ungleichmäßigen Tintenmengen aufsaugt.
Nur bei pergamentartigen Papieren entstehen die zarten Aufstriche und die fetteren Abstriche, die der Schrift ihre Lebendigkeit verleihen und die Charakteristik der Schrift  des Schreibers darstellen.
Eigeninitiative und Sponsoren finanzierten die Ausstattung
Die Ausstattung der Schreibwerkstatt wurde uns durch unsere Sponsoren und die finanzielle Unterstützung des Fördervereins  der Schule ermöglicht. Das ist möglich, weil der Verkauf unserer Broschüren zu unterschiedlichen Themen der modernen Unterrichtsgestaltung uns nennenswerte Beträge einbringt.
Diese Mittel verwenden wir ausschließlich zu Weiterentwicklung unserer Schule. Wir sind in der Lage, auch finanziell aufwändige Vorhaben umzusetzen, die normalerweise an den Kosten scheitern würden. Das muss nicht so sein, wenn man gewillt ist, für neue Inhalte auch neue Wege zu gehen.
Wir haben es so eingerichtet, dass die Schreibwerkstatt jeder Klasse der Schule zu einer festgelegten Zeit zur Verfügung steht. Für die Kinder der 4. Schuljahre findet ein vierteljährlicher Kurs im Umfang von zwei Wochenstunden statt.
Broschüre „Schönes Schreiben“
In unserer Broschüre „Schönes Schreiben – Kalligrafie für Grundschulkinder“ ist detailliert aufgeführt, wie eine Schreibwerkstatt ausgestattet sein sollte. Ein ganz entscheidender Aspekt hierbei ist die Vielfalt der Schreibwerkzeuge. Jedes Kind entdeckt  im Umgang damit seine eigenen Vorlieben. Die Eigenschaften der verschiedenen Federn und auch ihr Aussehen und die Herkunft werden von den Kindern sehr genau wahrgenommen.
Einen Brief mit einer Gänsefeder zu schreiben, empfinden sie völlig anders, als die gleiche Aufgabe mit einer Muranoglasfeder zu erledigen. Hierbei ist die Fantasie eine wesentliche Kraft, die das Ergebnis fördert..
Ungewöhnliche Alphabete
Durch die Beschäftigung mit besonders gestalteten Einzelbuchstaben bot sich die Zusammenstellung einer Sammlung an. Unsere Broschüre „Ungewöhnliche Alphabete – Kopiervorlagen und Kalligrafieanregungen“ bietet Anschauungsmaterial aus fünf Jahrhunderten Schriftgestaltung. Außerdem sind Alphabete enthalten, die Kindern die Buchstaben in überraschenden Formen präsentieren. Buchstaben erscheinen als Häuser, in Form von Tieren oder als Spiel von Bewegungen.
Grundschulkinder entdecken ihre eigene Kreativität, wenn sie vielfältige Anregungen bekommen, die ihnen das weite Feld der Gestaltungsmöglichkeiten zeigen. Ungewöhnliche Darstellungen der ihnen bereits bekannten Buchstaben regen sie zu fantasievollen eigenen Kreationen an. Hierbei dienen die Beispiele in unserer Broschüre als Grundlage. Sie sind als Ausmalübungen oder als Vorlage für eigene Gestaltungen verwendbar.
Das „Alphabet der Drucker“ besteht aus sehr detaillierten Darstellungen einzelner Buchstaben aus den letzten 500 Jahren. Nahezu jedes dieser Kunstwerke erzählt eine Geschichte und bietet die Möglichkeit, eine gedankliche Reise in die Entstehungszeit dieser Buchstaben zu unternehmen.
Leseförderung
Zur Förderung der Lesefreude haben wir unsere Broschüre „Bücherliebe – Ex libris für Kinder“ entwickelt. Sie stellt eine Sammlung von Bücherzeichen dar, die Ende des 19. Jahrhunderts von Künstlern gestaltet wurde. Kinder können sie dazu verwenden, ihre eigenen Bücher zu kennzeichnen, um sie nicht durch Verleihen zu verlieren. Außerdem bieten sie ihnen die Möglichkeit, durch vielfältige Anregungen, zu eigenen Kreationen zu finden. Ein mit einem Ex libris ausgestattete Buch ist etwas Besonderes, dessen Wert dem Kind hierdurch bewusst wird.
Fazit
Die Modernisierung von schulischen Inhalten kann ihre Anregungen in traditionellen oder fast vergessenen Bereichen finden. Zur Förderung von Konzentration und Kreativität ist die Kalligrafie ein ausgezeichnetes Unterrichtsfeld.